Vier Tore Vorsprung, plötzlich ein Rückstand – und am Ende doch der viel umjubelte Heimsieg: Die E1 des FC Herzogstadt Erding-Klettham hat sich in einem hochdramatischen letzten Heimspiel der Hinrunde mit 6:5 gegen den TSV Dorfen durchgesetzt.
Als Tabellenzweiter gingen die Herzogstädter in das vorletzte Spiel der Hinrunde und wollten vor heimischer Kulisse noch einmal drei Punkte einfahren. Entsprechend entschlossen trat die Mannschaft von Beginn an auf. Wach, aggressiv in den Zweikämpfen und mit viel Zug zum gegnerischen Tor übernahm Herzogstadt sofort die Initiative – und belohnte sich früh.
Bereits in der 5. Minute fiel das 1:0. Luka Jenić wurde auf der rechten Außenbahn bedient, dribbelte sich geschickt frei und zog aus spitzem Winkel ab. Dorfens Torhüter bekam zwar noch eine Hand an den Ball, konnte den Einschlag aber nicht mehr verhindern und lenkte ihn ins eigene Tor – die frühe Führung für Herzogstadt.
Nur sieben Minuten später legten die Gastgeber nach. Benjamin Hausmann kam im Zentrum an den Ball, erkannte den Laufweg des nach vorne sprintenden Gabriel Glück und setzte ihn mit einem klugen Zuspiel in Szene. Glück behauptete sich gegen seinen Gegenspieler, zog aus halblinker Position in Richtung Tor und schob den Ball überlegt am Keeper vorbei ins linke untere Eck. 2:0 nach zwölf Minuten.
Traumkombination zum 3:0
Nur drei Minuten später folgte der wohl schönste Spielzug des Tages. Rechtsverteidiger Felix Danninger eröffnete mit einem langen Diagonalball auf die linke Seite. Dort leitete Christian Marinov den Ball clever weiter zu Gabriel Glück. Der setzte sich auf dem linken Flügel durch, tankte sich bis zur Grundlinie vor und hatte anschließend noch den Blick für den besser positionierten Mitspieler. Seine Hereingabe landete genau bei Benjamin Hausmann, der nur noch den Fuß hinhalten musste – 3:0 in der 15. Minute.
Herzogstadt blieb auf dem Gaspedal. Gerade einmal zwei Minuten später wurde Nikolas Walter durch die Mitte in Szene gesetzt. Auch er setzte sich gegen seinen Verteidiger durch und blieb vor dem Tor eiskalt: flach am Keeper vorbei ins linke Eck – 4:0 nach nur 17 Minuten.
Zu diesem Zeitpunkt deutete vieles auf einen äußerst souveränen Nachmittag für die E1 hin. In der Folge beruhigte sich die Partie allerdings etwas. Herzogstadt nahm ein wenig Tempo heraus und Dorfen bekam zunehmend mehr Zugriff.
Kurz vor der Pause gelang den Gästen dann etwas überraschend der Anschlusstreffer. Mick Wirth verkürzte in der 22. Minute auf 4:1. Wenig später ging es mit der weiterhin komfortablen Drei-Tore-Führung in die Halbzeit.
Nach der Pause kippt das Spiel komplett
Was anschließend passierte, hatte nach der starken ersten Hälfte wohl kaum jemand erwartet.
Herzogstadt kam verschlafen aus der Pause und verlor plötzlich den Zugriff auf die Partie. Die Zuordnung stimmte nicht mehr, individuelle Fehler häuften sich – und Dorfen erkannte seine Chance.
Vor allem ein Spieler wurde nun zum entscheidenden Faktor: Dorfens Nummer 11 Pooya Nowroozi. Innerhalb weniger Minuten schlug der Angreifer gleich dreimal zu. In der 34., 37. und 42. Minute nutzte er die Unsicherheiten der Herzogstädter konsequent aus und machte aus einem 1:4 tatsächlich ein 4:4.
Und es kam noch bitterer: In der 50. Minute war es erneut Nowroozi, der traf und die Partie endgültig auf den Kopf stellte. Vier Tore desselben Spielers – und plötzlich führte der TSV Dorfen mit 5:4.
Aus einer scheinbar komfortablen 4:0-Führung war ein Rückstand geworden.
Doch die Herzogstädter zeigten Moral.
Jenić verwandelt die Ecke direkt – und sorgt kurz für Verwirrung
Die Mannschaft fing sich wieder, nahm die Zweikämpfe an und arbeitete sich zurück in die Partie. In der 51. Minute gab es Eckball von rechts.
Luka Jenić trat mit seinem starken linken Fuß an – und machte daraus eine der spektakulärsten Szenen des Spiels.
Seine hoch hereingetretene Ecke zog gefährlich direkt in Richtung Tor, streifte die Latte, sprang an den Pfosten und von dort hinter die Torlinie, ehe der Ball wieder aus dem Tor herausflog.
Für einen kurzen Moment herrschte Verwirrung auf dem Platz.
Drin oder nicht drin?
Der Schiedsrichter hatte jedoch die perfekte Position und keinerlei Zweifel: Tor für Herzogstadt!
Der direkte Eckball bedeutete das 5:5 – und entsprechend groß war der Jubel bei Spielern, Trainern und Zuschauern.
Jetzt war Herzogstadt wieder da.
Die Gastgeber übernahmen erneut die Initiative und drängten auf die Entscheidung. Es entwickelte sich eine offene Schlussphase, in der sich die E1 weitere Möglichkeiten erarbeitete, Dorfen aber immer wieder dagegenhielt.
Gabriel Glück setzt den Schlusspunkt
Dann kam die 56. Minute.
Wieder ging es über die linke Seite. Gabriel Glück wurde gut in Szene gesetzt und nahm trotz großer Bedrängung das Eins-gegen-eins an. Er setzte sich gegen seinen Gegenspieler durch und kam schließlich mit seinem eigentlich schwächeren linken Fuß zum Abschluss.
Und der saß perfekt.
Glück traf den Ball voll und jagte ihn unhaltbar ins linke obere Kreuzeck.
6:5!
Grenzenloser Jubel bei den Herzogstädtern. Nach einer Partie, in der die Mannschaft zunächst wie der sichere Sieger ausgesehen, anschließend eine 4:0-Führung aus der Hand gegeben und sogar mit 4:5 zurückgelegen hatte, war das Spiel ein zweites Mal gedreht.
In den verbleibenden Minuten brachte die E1 den knappen Vorsprung über die Zeit und durfte anschließend einen ebenso dramatischen wie verdienten 6:5-Heimsieg feiern.
Ein Sieg der Moral
Dieses Spiel hatte nahezu alles zu bieten: eine furiose Anfangsphase, einen wunderschönen Kombinationsfußball beim 3:0, einen kaum für möglich gehaltenen Einbruch nach der Pause, einen direkten Eckball zum Ausgleich und schließlich einen Traumtreffer zum Sieg.
Vor allem aber zeigte die Mannschaft, dass sie auch nach einem kompletten Spielverlauf gegen sich zurückkommen kann. Nach dem zwischenzeitlichen 4:5 nicht die Köpfe hängen zu lassen, sondern das Spiel noch einmal zu drehen, spricht für die Moral und den Zusammenhalt der Mannschaft.
So verabschiedet sich die E1 mit einem echten Fußball-Krimi und drei Punkten aus ihrem letzten Heimspiel der Hinrunde.
FC Herzogstadt Erding-Klettham – TSV Dorfen 6:5 (4:1)
Tore Herzogstadt:
1:0 Luka Jenić (5.)
2:0 Gabriel Glück (12.)
3:0 Benjamin Hausmann (15.)
4:0 Nikolas Walter (17.)
5:5 Luka Jenić (51.)
6:5 Gabriel Glück (56.)
Tore TSV Dorfen:
4:1 Mick Wirth (22.)
4:2 Pooya Nowroozi (34.)
4:3 Pooya Nowroozi (37.)
4:4 Pooya Nowroozi (42.)
4:5 Pooya Nowroozi (50.)

